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  • Corinna Pulverich

Essanfälle - Heißhungerattacken - Fressflash

So viele Athleten sprechen davon und es wird hingenommen als wäre es das normalste der Welt. Hiermit möchte ich ein bisschen zum Nachdenken anregen und ob die gewählte Vorgehensweise eine Diät zu halten wohl nicht eher kritisch zu betrachten ist.


Vor allem immer wieder bei Wettkampfsportlern, meist weiblicher Natur, lese ich häufig in Posts, dass sie erst mal wieder eine Balance im Essverhalten finden müssen, weil sie nach der Wettkampfphase jegliche Kontrolle über das Essen verloren haben. Erst wird Tage oder sogar Wochen lang hineingeschaufelt, bis dann irgendwann die Notbremse gezogen wird, weil man aussieht wie ein aufgequollener Hefekloß. Dann wird meist wie wild getrackt und eigentlich folgt damit schon die nächste Diät.


Nun fragen sich Viele "Warum passiert mir das? - Bin ich zu undiszipliniert oder zu schwach zu widerstehen?". Nein das ist es nicht!!! Die Diät wurde ganz einfach nicht ordentlich durchdacht und geplant. Gewisse Lebensmittel werden oft komplett gestrichen. Es gibt Monate lang keine Ausnahmen. Bedürfnisse werden missachtet und ignoriert. Und hier liegt das Problem. Deine Bilanzierung deckt vielleicht deinen Bedarf, aber deckt sie auch deine Bedürfnisse?


Dieses Konstrukt ist ernährungspsychologisch zu erklären und nennt sich gezügeltes Essverhalten unter rigider Kontrolle. Leistungsorientierte Sportler mit Ernährungsplan, aber auch Personen mit irgendwelchen standardisierten Diätprogrammen, werden von ihrer natürlichen und erlernten Sättigung, die auch als ungezügeltes Essverhalten (oder auch spontanes, intuitives oder normales Essen) bezeichnet wird, in eine kognitive Steuerung gebracht. Das heißt, der Kopf sagt wieviel, was und wann Schluss ist mit dem Essen. Diese eigentlich neu erworbene gesundheitsbewusste Ernährung führt zu einer kopfgesteuerten Ernährung, einem gezügelten Essverhalten. Das ist erstmal nicht schlimm solange das gezügelte Essen auch flexibel gesteuert wird und das auch so bleibt (was flexibel bedeutet erkläre ich gleich noch). Wenn aber das gezügelte Essverhalten zur rigiden, also zu einer strengen, starren Kontrolle wird, dann kann das Essverhalten krankhaft werden. Mechanismen wie die natürliche und erlernte Sättigung (durch Magenfüllung, Magendehnung...) gehen verloren oder werden sogar zerstört.


Gegessen wird was auf dem Plan steht. Nicht mehr und nicht weniger. Schmeckt es? Egal! Weiterbringen muss es einen, Bühne, Attraktivität, #instafame.

Viele halten sich somit dann während der Diät komplett an den sehr strengen Diätplan. Disziplin nennt man das. Tag X kommt - Ziel erreicht - Pokal, alles prima. Und nun ist das Ziel weg. Keine Diätgrenze mehr. Es darf theoretisch wieder alles gespachtelt werden. Tja und wenn du jetzt auf alles mögliche verzichtet hast, dann wirst du das auch tun. Denn die Attraktivität des vermiedenen, aber eigentlich gern gegessenen, Lebensmittels steigt durch den kompletten Verzicht. Und voilà die ersten Essanfälle sind da. Die persönliche Diätgrenze wird überschritten. Das führt zu einer kognitiven Entkopplung (Alles-oder-Nichts), die Kontrolle geht verloren. Meist wird darauffolgend durch tracken und erneuter rigider Kontrolle eine subjektive Kontrolle geschaffen. In Wirklichkeit geht es von Vorne los. Das Problem ist die Unwissenheit wie man den Teufelskreis durchbricht oder besser erst gar nicht hineingerät. Diese Unwissenheit herrscht zum einen beim Athleten selbst, zum anderen bei so manchen "Coaches" die sich noch nie mit Ernährungspsychologie auseinander gesetzt haben, darin nicht ausgebildet sind oder sie sogar einfach ignorieren. Des Weitern wird es über verschiedene Medien und Sozial-Media-Profilen so in Szene gesetzt, als wäre es normal nach einer Diät. Aber ESSANFÄLLE sind NICHT NORMAL!!!



Wie schaffe ich es in ein flexibles Essverhalten ohne Essanfälle?


1. Es sollte eine dauerhafte flexible Einstellung und Verhaltensweise angestrebt werden. Diese sollte zum einen deinen Bedarf decken, aber auch deine Bedürfnisse.


2. Plane genügend Zeit ein für eine Wettkampfphase, so dass du dir auch dosiert Ausnahmen erlauben kannst und deine Bedürfnisse berücksichtigt werden können. Denn eigentlich gehören zeitlich beschränkte Diätmaßnahmen nicht zu einem flexiblen Ernährungsstil.


3. Genieße die Ausnahmen und hab kein schlechtes Gewissen dabei.


4. Achte darauf, dass dir deine Gerichte schmecken. Damit du so wenig wie möglich vermisst.


5. Verbanne keine Lebensmittel die du gerne isst komplett. Du machst sie für dich dadurch nur noch attraktiver.


6. Variiere bei der Nahrungsmittelauswahl und der Menge. Esse vielfältig und sei kreativ bei der Zubereitung der Speisen.


7. Arbeite möglichst mit echter Süße (Früchten). Gib deinem Körper was du ihm signalisierst.


8. Suche dir befriedigende Alternativen zu deinem #pornfood.


9. Verschweige deinem Coach die Essanfälle nicht! Wenn er wirklich Ahnung hat wird er versuchen dir zu helfen, damit du eine individuelle-flexible Ernährung erreichst.



Wird das Problem ignoriert kann es sein, dass massive Essstörungen entwickelt werden. #bingeeating, #bulimianervosa, #anorexie etc. bringen dich deinem Ziel definitiv nicht näher. Denn das ist die Kontraindikation für jegliche Wettkampfdiät.


Sei ehrlich zu dir selbst! Kannst du dir alleine nicht helfen, dann hol dir kompetente Hilfe. Auch während Diätphasen gibt es natürlich das Phänomen "Essanfall". Das Prinzip ist das gleiche. Wollt ihr mehr über rigide Kontrolle erfahren und was die Diätgrenze genau ist oder habt ihr Fragen, dann lasst es mich wissen.


Ich möchte hiermit einfach aufmerksam machen, dass es nicht so laufen muss, dass es bei einer bewussten, gesunden Ernährung um mehr geht, als um Bilanz, Makros und Mikros.







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